Restaurants, Cafés und Imbissstände nutzen zunehmend künstliche Intelligenz, um Bilder für Speisekarten und Außentafeln zu erstellen. Die Bilder lassen sich schneller und kostengünstiger produzieren als professionelle Food-Fotografie, doch einige Gäste sagen, sie wirkten unnatürlich und sogar unappetitlich.
In Kommentaren auf Instagram werden KI-generierte Essensbilder als eintönig oder künstlich beschrieben. Einige Nutzer sagen, ungewöhnliche Texturen erinnerten sie an Löcher oder Insektennester. Andere argumentieren, dass KI kleinen Unternehmen eine erschwingliche Möglichkeit bietet, ihre Gerichte zu bewerben. Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband Dehoga sagt, Kosten, Geschwindigkeit, Zeit und Verfügbarkeit könnten die Technologie für Unternehmen nützlich machen. Allerdings gebe es keine verlässlichen Zahlen dazu, wie verbreitet KI-gestaltete Speisekarten in Deutschland seien.
Ein Lángos-Stand in Berlin nutzt KI, weil sie die Gestaltung einer Speisekarte einfacher und schneller mache, sagte ein Mitarbeiter dem Bericht zufolge. Einige Kunden bemerken das Design, doch ihre Reaktionen seien laut dem Mitarbeiter weder besonders positiv noch negativ.
Auch auf der Bestellplattform Lieferando, die zu Just Eat Takeaway gehört, sind KI-Bilder von Speisen auf Kritik gestoßen. Einige im Internet verbreitete Bilder wichen erheblich von den dazugehörigen Beschreibungen ab. So wurde ein Hähnchenburger mit Reisbuns statt mit Brot gezeigt. Lieferando erklärte, ein Test mit KI-generierten Bildern habe in einigen Fällen nicht wie beabsichtigt funktioniert. Das Unternehmen entschuldigte sich für unzutreffende Bilder, erklärte, an deren Entfernung zu arbeiten, und setzte den Einsatz des Tools aus. Es fügte hinzu, dass es KI für potenziell hilfreich für seine Restaurantpartner halte und die Technologie weiter verbessern werde.
Eine in Nature veröffentlichte Studie untersuchte, wie Menschen auf KI-generierte Bilder von Speisen reagieren. Der Psychologe und Postdoktorand Alexander Diel vom LVR-Universitätsklinikum Essen und der Universität Duisburg-Essen arbeitete mit einem internationalen Team an einem Online-Test mit 87 Teilnehmenden. Ihnen wurden 60 Bildpaare gezeigt, die jeweils ein echtes Foto und ein KI-generiertes Bild desselben Lebensmittels enthielten, etwa Vanilleeis oder Weintrauben. Die Teilnehmenden bewerteten, wie realistisch die einzelnen Bilder wirkten, wie bereit sie wären, das abgebildete Essen zu verzehren, und wie gesund und kalorienreich sie es einschätzten.
Im Durchschnitt hielten die Teilnehmenden die KI-Bilder für weniger realistisch und verspürten etwas weniger Appetit auf die abgebildeten Speisen. Ihre Einschätzungen zum Gesundheitswert und Kaloriengehalt der Speisen waren bei KI-Bildern und echten Fotografien ähnlich.
Diel vermutete, dass Bilder weniger appetitlich wirken könnten, wenn sie zu perfekt aussehen, etwa durch übermäßig glatte oder symmetrische Oberflächen, oder andere visuelle Fehler enthalten. Menschen könnten bei ungewohnt aussehenden Speisen auch vorsichtig sein. Er sagte, KI-Bilder lösten nicht zuverlässig dieselbe Reaktion aus wie Fotografien echter Speisen und auffällige Mängel könnten abschreckend wirken.
Außerdem besteht ein Unterschied zwischen einem KI-generierten Bild und dem Gericht, das ein Restaurant tatsächlich serviert: Das Bild kann ein allgemeines Gericht zeigen, das auf den Trainingsdaten eines Modells basiert, statt auf dem Produkt dieses Restaurants. Wenn Kunden feststellen, dass das echte Gericht nicht dem Bild auf der Speisekarte entspricht, kann das zu Frustration führen. Dehoga bezeichnete Authentizität als zentral für das Versprechen, das Restaurants ihren Gästen geben.
Quellen: Handelsblatt.
