Steigende Erdgaskosten haben die Suche nach alternativen Heizlösungen in Deutschland intensiviert. Ende Oktober überstiegen die Großhandelspreise für europäisches Erdgas 100 Euro pro Megawattstunde, was mehr als eine Verdreifachung im Vergleich zu den Niveaus von Februar vor Beginn des Iran-Konflikts darstellt. Da die deutschen Gasspeicher ungewöhnlich niedrig sind, warnen Experten davor, dass die Winternachfrage die Preise noch weiter in die Höhe treiben könnte, was eine Neubewertung der Heiztechnologien erforderlich macht.

Timo Leukefeld, Energieexperte und unabhängiger Bauplaner aus Freiberg, argumentiert, dass direkte elektrische Heizung, insbesondere Infrarotsysteme, in bestimmten Szenarien wirtschaftlich überlegen sein kann. Er stellt fest, dass Infrarotheizungen für Neubauten und energetisch sanierte Gebäude praktisch unschlagbar sind. Diese Systeme wandeln Strom direkt in Infrarotstrahlung um, wodurch Oberflächen und Menschen erwärmt werden, anstatt nur die Luft. Leukefeld behauptet, diese Methode sei komfortabler und schneller zu regulieren als traditionelle Konvektionsheizung und erzeugen eine Wärme ähnlich der von Sonnenlicht oder einem Kachelofen. Darüber hinaus hebt er hervor, dass Infrarotheizung Zugluft und Staubzirkulation vermeidet, was Allergikern zugutekommt, während gleichzeitig ein höheres Raumluftfeuchtigkeitniveau aufrechterhalten wird.

Im Gegensatz dazu plädiert Martin Brandis von den Verbraucherzentralen stark für Wärmepumpen aufgrund ihrer überlegenen Effizienz. Er weist darauf hin, dass direkte elektrische Heizgeräte zwar etwa eine Kilowattstunde Wärme pro verbrauchter Kilowattstunde Strom erzeugen, Wärmepumpen jedoch je nach Modell das Drei- bis Fünffache dieser Menge produzieren können. Laut Daten des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme (ISE) führt diese Effizienz zu deutlich niedrigeren Betriebskosten. Für ein neues Einfamilienhaus mit 150 Quadratmetern und einem jährlichen Heizbedarf von 6.000 kWh würde eine Wärmepumpe etwa 2.000 kWh Strom benötigen, was bei aktuellen Tarifen rund 760 Euro kostet. Im Gegensatz dazu würde ein Infrarotsystem die vollen 6.000 kWh verbrauchen, was Kosten von ungefähr 2.280 Euro zur Folge hätte.

Die Kostenlücke weitet sich in älteren, nicht sanierten Gebäuden aus, wo die Heizeffizienz geringer ist. In solchen Fällen könnten die Betriebskosten einer Wärmepumpe jährlich 2.280 Euro betragen, während ein Infrarotsystem bis zu 6.840 Euro erreichen könnte. Hinsichtlich der Anfangsinvestition haben Infrarotsysteme jedoch einen deutlichen Vorteil. Leukefeld schätzt die Installation eines Infrarotsystems für ein Standard-Einfamilienhaus auf etwa 12.000 Euro, verglichen mit 45.000 Euro für eine Wärmepumpe, obwohl die Verbraucherzentralen darauf hinweisen, dass Wärmepumpen ab 30.000 Euro zu finden sind.

Staatliche Subventionen beeinflussen die wirtschaftliche Gleichung weiter. Für Bestandsgebäude subventioniert der Staat den Umstieg auf Wärmepumpen mit 30 bis 80 Prozent der förderfähigen Kosten, wobei ein Deckel von 28.000 Euro pro Einfamilienhaus gilt. Für direkte elektrische Heizung gibt es keine solchen Fördermittel. Folglich kommen die Verbraucherzentralen zu dem Schluss, dass Wärmepumpen langfristig für Bestandsgebäude günstiger sind und auch für Neubauten die bessere Wahl sein können. Trotz höherer Anfangskosten stellt Leukefeld fest, dass Infrarotheizungen dreimal länger halten als Wärmepumpen und keine Wartung erfordern. Da sie zudem pro Raum unabhängig arbeiten, betrifft ein Ausfall nur einen einzigen Raum, während ein Ausfall einer zentralen Wärmepumpe oder eines Kessels das gesamte Haus ohne Heizung zurücklässt.

Vermieter müssen bei der Installation direkter elektrischer Heizung Vorsicht walten lassen, da Paragraph 46 des Gebäudeenergiegesetzes dies in Gebäuden mit unzureichender Wärmedämmung verbietet. Experten empfehlen, vor einer Entscheidung einen Spezialisten oder Energieberater zu konsultieren, um die Einhaltung der Vorschriften und eine optimale Leistung sicherzustellen.

Quellen: Handelsblatt.