Börsengehandelte Fonds gelten weithin als einfache und kostengünstige Möglichkeit zu investieren, und viele breit diversifizierte Aktien-ETFs haben in den vergangenen zehn Jahren starke Renditen erzielt. Dennoch erzielen zahlreiche Anleger nicht die Renditen, die theoretisch möglich wären, weil sie ihre Portfolios falsch zusammenstellen und verwalten.

Der erste Fehler besteht darin, zu viele oder ungeeignete ETFs zu halten. Ein einzelner Fonds, der den MSCI All Country World Investable Market Index abbildet, bietet Zugang zu mehr als 8.000 Unternehmen in 23 entwickelten und 24 Schwellenländern, darunter große, mittelgroße und kleine Unternehmen. Der Verbraucherschützer Niels Nauhauser bezeichnet einen solchen Fonds als ausreichend für den Aktienanteil eines Portfolios, während der ETF-Spezialist Frederick Fischer entweder einen globalen Kern-ETF oder mehrere Fonds empfiehlt, die verschiedene Regionen und Unternehmensgrößen abdecken.

Ein global diversifiziertes Aktienportfolio kann aufgrund historischer Erfahrungen dennoch vorübergehend rund die Hälfte seines Wertes verlieren. Anleger, die sich mit solchen Schwankungen unwohl fühlen, könnten daher erwägen, Anleihen beizumischen. Ein panikartiger Verkauf während eines Marktrückgangs kann vorübergehende Buchverluste in dauerhafte Verluste verwandeln.

Der zweite Fehler ist zu häufiges Handeln. Die in dem Artikel angeführte Forschung zeigt, dass Anleger ihre langfristigen Renditen oft schmälern, indem sie ETFs verkaufen, wenn die Märkte unruhig werden. Der Finanzprofessor Martin Weber warnt, dass das erfolgreiche Timing eines Ausstiegs und Wiedereinstiegs weitgehend eine Frage des Zufalls ist, selbst wenn Beobachter dies später als Können interpretieren. Sein Rat für langfristige Anleger lautet, investiert zu bleiben.

Der dritte Fehler besteht darin, Aktien-ETFs für Ziele zu verwenden, die nur wenige Jahre entfernt sind. Eine breite Diversifizierung kann die Auswirkungen der Volatilität einzelner Unternehmen verringern, aber sie kann Verluste durch marktweite Schocks nicht verhindern. Andreas Beck, der große Anleger berät, sagt, Aktien-ETFs eigneten sich besser für den langfristigen Vermögensaufbau als für die Finanzierung eines bestimmten Ziels zu einem festgelegten Zeitpunkt.

Beck und andere Experten nennen zwölf Jahre als Richtwert für den Mindestanlagehorizont bei Aktien. Anleger, die für ein bekanntes Ziel sparen, sollten sich dem Stichtag nähernd schrittweise Teile ihres Vermögens aus ETFs in festverzinsliche Anlagen, Festgeld oder Tagesgeld umschichten. Dadurch wird der kurz vor dem benötigten Zeitpunkt der Marktvolatilität ausgesetzte Betrag reduziert.

Der vierte Fehler ist, bei Eintritt in den Ruhestand alle ETFs zu verkaufen. Der Ruhestand kann laut dem Ruhestandsplaner Michael Huber noch 15 bis 20 Jahre dauern, wodurch eine weitere Anlage möglicherweise wichtig ist. Er veranschaulicht das Problem anhand einer 67-jährigen Frau, die durch einen ETF-Sparplan 240.000 Euro angespart hat. Wenn sie das Geld auf einem unverzinslichen Girokonto liegen lässt und monatlich 1.000 Euro abhebt, würde es – ohne Berücksichtigung der Inflation – 20 Jahre reichen.

Wenn die Auszahlungen jährlich um 2,5 Prozent steigen, um die Inflation auszugleichen, bräuchte sie fast 307.000 Euro, um über diesen Zeitraum den Gegenwert von monatlich 1.000 Euro zu erhalten. Bei jährlichen Renditen von 3,5 Prozent könnte sie dem angeführten Beispiel zufolge stattdessen von Beginn an inflationsbereinigt 1.100 Euro abheben.

Der fünfte Fehler ist, Kosten zu ignorieren. Obwohl der Wettbewerb durch Neobroker viele Depot- und Handelsgebühren gesenkt hat, unterscheiden sich die Gebühren für Sparpläne weiterhin erheblich. Manche Anbieter verlangen einen prozentualen Anteil jeder Ausführung, während andere eine feste Euro-Gebühr erheben. Eine Gebühr von 2,75 Euro bei einem monatlichen Sparplan über 100 Euro würde den investierten Betrag über 30 Jahre um 990 Euro verringern. Werden die entgangenen Zinseszinserträge einbezogen, würde die Gesamtlücke mehr als 2.500 Euro betragen.

Anleger sollten außerdem prüfen, ob vermeintlich kostenlose Angebote nur vorübergehend gelten. Einige Banken und Broker verlangen weder eine Depotgebühr noch Ausführungskosten, doch die Bedingungen können sich nach Ablauf eines Aktionszeitraums ändern.

Der sechste Fehler besteht darin, unbewusst Konzentrationsrisiken aufzubauen. Die Kombination eines MSCI-World-ETFs mit einem Nasdaq-100-Fonds und einem speziellen ETF für künstliche Intelligenz kann dazu führen, dass ein Portfolio stark von den Vereinigten Staaten und einer kleinen Zahl von Technologieunternehmen abhängt. In dem erörterten Beispiel entfallen fast 80 Prozent des Portfolios auf US-Aktien, während Nvidia, Microsoft und Apple zusammen 16,7 Prozent ausmachen, obwohl die drei ETFs insgesamt 1.283 Aktien halten.

Der siebte Fehler ist, Anlagethemen zu viel Bedeutung beizumessen. ETFs, die sich auf Bereiche wie grüne Energie, Wasserstoff oder Verteidigung konzentrieren, können stark fallen, wenn der zugrunde liegende Trend an Dynamik verliert. Experten empfehlen, die global diversifizierten Fonds zum Kern des Portfolios zu machen und thematische Anlagen auf einen kleineren Anteil zu begrenzen. Eine genannte Empfehlung ist ein kombinierter Anteil von 10 bis 20 Prozent, während andere Experten 5 bis 10 Prozent vorschlagen.

Markus Jordan von der Vergleichsplattform ExtraETF beschreibt ETFs zu einzelnen Themen als Spezialprodukte, die als vorübergehende Wetten oder Spekulationen behandelt werden sollten. Anleger, die zu spät einsteigen oder aussteigen, können erhebliche Verluste erleiden oder einen großen Teil ihrer Gewinne wieder abgeben.

Der achte Fehler ist, kein Rebalancing durchzuführen. Verschiedene Anlageklassen und einzelne Positionen steigen nicht im gleichen Tempo, sodass sich das Risikoprofil eines Portfolios im Laufe der Zeit verschieben kann. Ein Portfolio, das Anfang 2015 zu 60 Prozent aus dem MSCI ACWI und zu 40 Prozent aus kurzfristigen europäischen Staatsanleihen bestand, wäre dem Beispiel zufolge zehn Jahre später auf eine Aufteilung von 80/20 übergegangen.

Auch kleine Positionen können deutlich wachsen. Ein Anfang 2020 hinzugefügter Bitcoin-Anteil von einem Prozent wäre in einem ansonsten aus dem MSCI ACWI und europäischen Staatsanleihen bestehenden Portfolio bis 2025 auf mehr als sieben Prozent angewachsen. Da Bitcoin in seiner Geschichte wiederholt um 70 Prozent oder mehr gefallen ist, hätte diese Veränderung auch das Risiko des Portfolios erhöht.

Experten empfehlen daher, Portfolios regelmäßig zu überprüfen und neu auszubalancieren. Ein Ansatz besteht darin, die Aufteilung einmal jährlich anzupassen, indem ein Teil der stark gestiegenen Anlagen verkauft und in die gefallenen Anlagen investiert wird, wodurch die beabsichtigte Struktur wiederhergestellt wird.

Quellen: Handelsblatt.