Zwickau gedenkt der Opfer des rechtsextremen Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU), 15 Jahre nach der Selbstenttarnung der Terrorgruppe. Nach einer Nachmittagsveranstaltung zum Thema Mitgefühl im Dom St. Marien werden sich am Abend voraussichtlich Menschen mit Blumen, Kerzen und Papierkranichen an der Gedenkstätte der Stadt zu einem stillen Gedenken versammeln.
Im Schwanenteichpark der Stadt wächst für jedes der zehn Mordopfer des NSU ein Baum: für acht Kleinunternehmer türkischer Herkunft, einen griechischer Herkunft und einen Polizisten. Es waren Enver Şimşek, Abdurrahim Özüdoğru, Süleyman Taşköprü, Habil Kılıç, Mehmet Turgut, İsmail Yaşar, Theodoros Boulgarides, Mehmet Kubaşık, Halit Yozgat und Michèle Kiesewetter.
Die Kernmitglieder des NSU, Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe, lebten jahrelang unerkannt in Zwickau und verfügten über ein Unterstützernetzwerk. Neben den Morden verübte die Gruppe zahlreiche Raubüberfälle und mehrere Bombenanschläge. Böhnhardt und Mundlos starben am 4. November 2011 nach einem Banküberfall in Eisenach durch Suizid. Anschließend setzte Zschäpe die gemeinsame Wohnung der drei in Zwickau in Brand. Sie wurde später zu lebenslanger Haft verurteilt und ist weiterhin inhaftiert.
Bei einem Stadtrundgang zum Jahrestag werden die früheren Wohnungen des Trios und von Menschen aus seinem Unterstützernetzwerk besucht. Der sogenannte Critical Walk wird an der Gedenkstätte auch das Leben und die Hoffnungen der Opfer in den Mittelpunkt stellen.
Quellen: Handelsblatt.